Ich möchte mit diesem Artikel mal mit dem weit verbreiteten Gerücht aufräumen, dass ein Firmenwagen billig oder günstig sei. Ich selbst bin die letzten 4 Jahre einen Firmenwagen gefahren und habe die Vorteile genutzt. Kurzum: Ich zahle kein Benzin (bzw. Diesel), ich muss nicht zwangsläufig sprit-sparend fahren und ansonsten muss ich weder Inspektion, noch Reparaturen noch Waschanlage bezahlen. Da erschallen gleich die deutschen Neid-Glocken, aber nicht so hastig. Und als ich vor Kurzem meinen eigenen Wagen gekauft habe, musste ich mir von vielen Seiten anhören, dass es nicht billiges gäbe, als ein Firmenwagen. Schau’n wir doch mal, was so ein “Teil” wirklich kostet. Ich rechne hier nur den klassischen Firmenwagen vor, aber nicht irgendwelche anderen Konstrukte wie Leasing über Firma, damit kenne ich mich nicht aus.
Die Kosten eines Firmenwagens auszurechnen, ist relativ leicht, wenn alle notwendigen Zahlen vorliegen. Mir lagen diese allerdings bis zum Ende nicht vor und seit ich einen Firmenwagen habe, habe ich ehrlich gesagt auch gar nicht mehr groß darüber nachgedacht und auch gar nicht nachgefragt. Diese Firmenwagen-Position ist drei Jahre fest mit dem Gehaltszettel verbunden. Und hier kommt schon die erste Ernüchterung bei allen, die keinen haben: Ein Teil des Gehaltszettels bedeutet zweierlei: Steuern für den Wagen und Steuern für die Entfernung von
1% Steuern auf den Wagen-Neuwert: Wenn der Wagen beispielsweise 28000 Euro wert ist, dann zahlt man nicht 280 Euro Steuern, sondern so viele Steuern, als würde auf dem Gehalt 280 Euro mehr stehen. Beispiel: 3000 Euro Gehalt bedeutet 1879 Euro Netto, also 1121 Euro Abzüge. Wenn man nun die 280 Euro versteuern muss, dann bedeutet dies, dass man so viele Steuern zahlen muss, wie bei einem Gehalt von 3280 Euro, also 1162 Euro Abzüge, was bei 3000 Euro Gehalt dann ein Nettogehalt von 1738 Euro ergibt. So würde der Wagen nur 141 Euro im Monat kosten. Benzingeld inklusive.
An dieser Stelle möchte ich gleich mit dem ersten Mythos Firmenwagen aufräumen: Einen Firmenwagen bekommt man niemals on Top auf das Gehalt, sondern immer als Teil des Gehalts, das berechne ich aber später. Jetzt erstmal die Entfernungssteuer:
Pro Kilometer zahlt man nun 0,0003% des Wagen-Neuwerts. Beispiel 15 km ergibt genau wie oben errechnet 15 km * 0,0003 * 28000 Euro = 126 Euro zu versteuern. Das ergibt ein zu versteuerndes Einkommen von 3406 Euro, das sind 1327 Euro Abzüge, bleiben netto 1673 Euro. Das ergibt Netto-Kosten für das Auto von 206 Euro. Das ist immer noch sehr günstig. Jetzt komme ich zum on-Top-Argument.
So ein Firmenwagen kostet die Firma rund 600-800 Euro, wenn wir in der “normalen” Klasse bleiben, also 300 Euro Leasingrate, plus Versicherung, Inspektion, Steuern, etc. Dementsprechend muss man sich im Klaren sein, dass ein entsprechender Gegenwert des Gehalts als Verzicht als weitere Kosten angerechnet werden müssen und genau hier liegt das Problem des Verständnisses. Ich konnte ich noch niemandem wirklich erklären, aber vielleicht wollten diese Personen auch einfach meinen Standpunkt nicht verstehen. Ich habe niemals gesagt, ein Firmenwagen sei viel zu teuer, sondern nur “mir ist der zu teuer”.
Rechnen wir die Nebenkosten von den 600-800 Euro runter, so bleibt bei gleichen Arbeitgeberkosten ein Gehaltsverzicht auf Arbeitnehmerseite von ca. 550 Euro. Ich darf die Kosten des Firmenwagens also nicht von denn ursprünglichen 3000 Euro berechnen, sondern von dem neuen Wert, wenn ich keinen Firmenwagen hätte, also 3550 Euro. Bei diesem Gehalt bekäme der Arbeitnehmer netto 2149 Euro. Dementsprechend 2149 Euro – 1879 Euro = 270 Euro netto mehr. Diese 270 Euro entgehen ihm aber, weil er ja den Firmenwagen hat. Nun kostet der Wagen schon 270 Euro (Netto-Gehaltsverzicht) + 206 Euro zusätzliche Steuern = 476 Euro netto.
Ich habe hier nur mit einem relativ günstigen Auto gerechnet. Der Reiz am Firmenwagen ist jedoch (meistens), dass der Arbeitnehmer sich den Wagen frei konfigurieren kann und dann schnellt der Preis schnell in die Höhe und damit auch die Steuerlast. Hier kann man ca. 7,50-8,00 Euro pro 1000 Euro Wagenneuwert monatlich ansetzen. (Achtung hier zählt der Listenpreis und keine Rabatte! 5000 Euro Prämie zählt nicht!) Hier ein besserer Motor, da eine Lederausstattung, dann ist man gleich 20-30 Euro pro Monat los. Zusätzlich kommt dazu, dass der Arbeitgeber eine bestimmte Vorstellung von der Gehaltserhöhung hat, was sich in einer Kosten-Höchstgrenze für das Auto auswirkt und/oder einen Gehaltsverzicht zur Folge hat.
Es gibt aber dennoch viele Fälle, in denen sich ein Firmenwagen lohnt bzw. zu empfehlen ist:
- Du fährst sehr viel beruflich, dann gelten nämlich andere Berechnungsgrundlagen (du musst dann ein Fahrtenbuch fahren und kommst vermutlich nicht günstiger an ein Auto)
- Du willst immer einen Neuwagen fahren und schätzt alle Annehmlichkeiten, die ein neues Auto mit sich bringt
- Du kaufst eh immer neue Autos
- Du macht immer Privatleasing und nach Ende der Laufzeit nimmst du dir ein neues Auto, welches du least
Folgende Personen sollten sich gut überlegen, ab sie einen Firmenwagen fahren möchten und auf die Gehaltserhöhung verzichten:
- Dir reicht auch ein drei Jahre alter gut ausgestatteter Wagen
- Die verfügbare Automarke ist nicht dein Geschmack (oft gibt es aus organisatorischen Gründen nur ein paar Automarken zur Auswahl)
- Ein Auto ist dafür da, um von A nach B zu kommen
Hi Daniel,
das ganze gibts für alle interessierten auch direkt zum selber ausrechnen: http://firmenwagenrechner.spiegel.de/
Bei dem Rechner wird leider nur die entgangene Gehaltserhöhung vergessen.
Weitere Nachteile eines Firmenwagens:
– Jeder im privaten Umfeld verursachte Schaden ist privat zu bezahlen. Rizt der Nachbar seine Initialen in den Lack, hat eine teurere, fachmännische Reparatur zu erfolgen. Nur wenige Firmen sind da Kulant.
– Vor jeder Fahrt ins Ausland ist die Genehmigung des Arbeitgebers schriftlich einzuholen
– Die für private Fahrten zur Verfügung stehenden Kilometer können durch den Arbeitgeber begrenzt werden
– Abgesehen von Notfällen, dürfen aus versicherungstechnischen Gründen nur Ehepartner oder Mitarbeiter der Firma ans Steuer. Auf der Party trinken zählt nicht dazu
– Firmenwagen sind bei Bedarf an Kollegen auszuleihen. Es kann vorkommen, dass man dann abends nach Hause läuft oder einen Mülleimer zurück bekommt
– Der Firmenwagen verursacht nur Fixkosten für drei Jahre. Mal eben das Modell wechseln ist nicht drinnen. Will man den Job wechseln könnte es sein, dass der Wagen mitzunehmen ist.